Helmut – das Duell

Helmut starrte das Brett an und das Brett starrte zurück.
Das machte es nur aus Mangel an Alternativen, denn als Brett hat man eine stark eingeschränkte Auswahl an Hobbys.
Die morgendlichen Duelle mit Helmut waren dabei das Beste am Tag. Das Fenster lag sehr ungünstig und Brett konnte nicht nach draußen schauen. Insekten verirrten sich nur sehr selten in den Raum und Fernsehen oder Radio gab es auch nicht. Blieb eben nur das Duell mit Helmut.Der Punktestand an diesem Morgen betrug 363:0
363 für das Brett.
0 für Helmut.
Nur noch zwei Duelle bis das Jahr voll war.
Starren.
Zurückstarren.
Zurück zurückstarren.
Zurück zurück zurückstarren.
Zurück … plötzlich stand Helmut auf, wischte sich den Staub von der Hose und seufzte. Und das schon nach sieben Minuten.SIEBEN Minuten.

Das war mit Abstand die mieseste Leistung die Helmut bisher gegen das Brett gezeigt hatte. Das Brett war erstaunt und merkwürdigerweise fühlte es auch Ärger, trotz des Sieges. So war das nicht richtig.
Sieben Minuten. Und das wo Helmut schon mal über zwei Stunden geschafft hatte.
Für das Brett schmeckte der Sieg billig und fad.
So wollte es nicht gewinnen – es wollte Wettkampf, Herausforderung, grimmiges Augenzwinkern und trickreiches Kopfschütteln.
Aber nein – Helmut hatte aufgegeben.
364:0

Brett seufzte – ganz still und für Helmut bis auf ein leises Knarzen unhörbar. Auf Bretterart eben.

Helmut verließ das Zimmer und kam mit einer – dem Brett unbekannten – Begleitung zurück. Erstaunlich.

Lange, lange, lange schon hatte Brett niemanden außer Helmut zu Besuch gehabt. Zwar hatte Helmut etwa einmal im Monat den Staubsauger dabei, oder auch mal eine Tasse Kaffee oder eine Flasche Bier. Aber eine andere Person? Schon seit Jahren nicht mehr.
Kräftiges Mädel, dachte Brett.
Sollte mal weniger Kohlenhydrate futtern, Dickwerden am Bauch erhöht das Krebsrisiko.
Die junge Frau schaute sich im Raum um, sah Helmut an und lächelte.
»Wirklich?«, fragte sie ihn.
»Ja«, sagte Helmut. »Das wird das Kinderzimmer. Alles andere hat ja keinen Zweck. Ich habe sehr lange darüber nachgedacht und am Wochenende kommt alles raus. Die Bar, die Nut- und Federbretter und die Poster vom FC. Alles reiß ich raus.

Die Frau küsste ihn.
»Du bist toll«, sagte sie und ging immer noch lächelnd hinaus.
Helmut schaute sich nochmal um und warf dabei einen weiteren Blick auf Brett. Dann seufzte er und ging hinaus.
Brett schrie ihm hinterher. »Das geht nicht. Helmut. Warte doch. Wir müssen reden. Wir waren doch immer…«
Aber Helmut reagierte nicht, denn Brett schrie auf Bretterart – ganz still und bis auf ein leises Knarzen unhörbar.
So hoch geführt und dann doch verloren.

Vaterglück

Ja, was soll ich sagen. Gestern kam ich um acht Uhr abends von der Arbeit. Ich machte noch schnell die Küche sauber um mich um neun Uhr ins Bett zu legen, denn am nächsten Morgen um sechs Uhr musste ich wieder im Büro sein.
Da weckte mich meine Frau, die noch am Fernsehen schauen war, weil ich den Kühlschrank nicht saubergemacht hatte. Gut, das war mein Fehler. Einmal die Woche muss der Kühlschrank ausgeräumt und saubergemacht werden. Das habe ich gelernt, das weiß ich.
Um halb eins kam ich dann endlich ins Bett; nachdem ich noch im Wohnzimmer die Möbel gereinigt hatte. Ich konnte meine Frau verstehen; niemand möchte seine Füße auf einen dreckigen Tisch legen.

Und wenn ich die Hausarbeit richtigmache, gibt’s auch am Monatsende mehr Taschengeld. Auch mal mehr als zwanzig Euro.

Jeden Sonntagmorgen um zehn Uhr gibt es ein Familientreffen. Dabei wird von meiner Frau, meinen zwei Kindern und mir darüber diskutiert, was ich noch besser machen kann.
Sonntags mittags habe ich dann zwei Stunden für mich alleine, mit den Kindern auf dem Spielplatz. Früher war das nur eine Stunde, aber die zweite Stunde habe ich dann durchgesetzt.

Übermorgen habe ich meinen Jahreshöhepunkt. Meine Frau fährt mit den Kindern und den Kreditkarten zum Einkaufen in die Stadt.
Wenn ich rechtzeitig mit dem Putzen und der Gartenarbeit fertig bin habe ich den ganzen Samstagnachmittag für mich.

Dann kann ich mich mal richtig austoben.
Dann räume ich endlich mal die Garage auf.
Das wird ein Spaß.

Kapitel 4 der Buchsymbiose

Mein Kapitel (Kapitel 4) bei der bUCHSYMBIOSE ist am 12.5.2016 erschienen.

Ich hatte nur Kapitel 1 gelesen, bevor ich dran war.
Und als ich dann Zugriff auf Kapitel zwei und drei hatte, habe ich alles am Stück gelesen.
Danach fiel es mir schwer den Teil der Geschichte mit Hank und Kap noch sinnig fortzusetzen. Daher habe ich mich für diesen Erzählstrang entschieden, um ein paar Ungereimtheiten abzufangen, nicht noch mehr Ideen reinzuwerfen und irgendwie den Bezug zum Anfang zu finden,

Kleine logische Fehler stören mich schon in dickeren Büchern.
Größere logische Fehler sind einfach große Fehler.
Die Projektidee finde ich nach wie vor gut und würde oder werde mich weiter beteiligen – aber da kommt es drauf an wie es weiter geht..
An Herausforderungen kann man nur wachsen oder lernen.
Aber geschmerzt hat es dann doch auch etwas.

Update:
nach weiteren erschienen Kapiteln, werde ich mich im Handlungsstrang nicht weiter einbringen. Das sind zu viele Köpfe, die daran arbeiten und zu vieles fasert aus.
Wenn professionelle Autoren schon beschreiben, das Co-Writing zu zweit sehr schwierig ist, dann erscheint mir das jetzt nicht mehr verwunderlich.
Ich glaube es fehlt als erstes an einem ordentlichen Outline und an einer Instanz, die sagt „geht so nicht.“ Ähnlich wie das bei Serien (Perry Rhodan, Fernsehserien etc.) etabliert ist.
Ein Outline über die ganze Story (oder zumindest über einen längeren Handlungsbogen), dann eins für die kleineren Etappen und dann eins für die einzelnen Textstücke/Autoren in denen klar ist, was gemacht werden darf und was auf keinen Fall passiert (sowas wie Perry Rhodan sterben zu lassen z.B.).

Dazu kommen noch diverse Betrachtungen des Worldbuildings.
So wird es in den ersten drei Kapiteln hier durchaus Nacht und Tag, aber in der Spiralwelt kann das so einfach nicht möglich sein. Ist die mit der Spiralspitze auf die Sonne ausgerichtet, bleibt es kernnah immer bei Dämmerung (falls die unteren Bereiche breiter sind, können die auch Licht haben). Falls die Spiralwelt mit dem Kern im rechten Winkel zur Sonne steht, gibt es evtl. eine sehr sehr kurze Nacht – oder einen sehr sehr dicken Kern.
In der Art sind noch mehr Dine zu beachten und ohne Kontrollinstanz bekommt das keinen Halt.

Wie dem auch sei – ich wünsche Victoria noch viel Spaß und Erfolg bei dem Projekt.

Update:
am 24.12.2016 findet sich die Webseite leider nicht mehr.
Nach Kapitel sieben hat man sich wohl dazu entschlossen, das nicht mehr weiterzuführen.
Damit ist mein Kapitel auch nicht mehr auffindbar und deswegen füge ich es komplett hier ein.


Kapitel 4 – Puctos Ende
Pucto schaut den beiden Männern nach bis sie aus seiner Sicht verschwinden. Er dreht sich um und geht langsam in seine Höhle zurück. Hatte er richtig gehandelt? Waren die beiden die richtige Wahl?
Er seufzt leise. Als ob er eine Wahl gehabt hätte.
Die Kanne am Feuer enthielt noch heißen Kräutertee.
Er nimmt sich einen der Tonbecher vom klobigen Holztisch, greift zur Kanne und schenkt sich von dem Gebräu ein.
Zwei ziemlich verantwortungslose Burschen, davon einer ein Lom.
Er trinkt einen tiefen Schluck, schließt die Augen und seufzt noch einmal.
»Also, wo ist es?«
Pucto erstarrt. Dann, nach einem kurzen Moment des Innehaltens, dreht er sich langsam um. »Du natürlich«, sagt er.
Pucto starrt sein Gegenüber an und hebt langsam den Becher an den Mund. Er trinkt einen Schluck und sagt »Es ist nicht hier. Du bist umsonst gekommen.«
Seine Besucherin lächelt. »Ich bin mir sicher, dass es hier ist. Oder das Du zumindest weißt wo es ist. Im Grunde gibt es von hier nur drei Alternativen.
Die Erste: Du gibst es mir jetzt und sofort und ich gehe. Die würde ich bevorzugen und glaub mir, das solltest Du auch.
Die Zweite: Du gibst es mir nicht und ich werde Dich so lange bearbeiten, bis ich es habe.«
Seine Besucherin tritt einen Schritt näher und streicht ihm sanft mit den Fingern über die Wange.
»Das würde mir sehr, sehr leidtun«, flüstert sie in sein Ohr.
»Möglichkeit Drei: Ich bearbeite Dich zu lange und zu intensiv und weiß nicht wo es ist. Nun, da habe ich nichts verloren zu jetzt.«
Sie lächelt während sie wieder auf Abstand geht.
»Du kannst Dich jetzt für eine der Möglichkeiten entscheiden. Oder ich entscheide für Dich.«
Sachte geht Pucto zur Teekanne und nimmt sie auf. Er geht zum Tisch, nimmt den Wasserkrug und füllt die Kanne auf.
»Ich glaube, dass es letztlich egal ist, wie ich mich entscheide. Du bist so schlecht wie die anderen deiner Gruppe und eine Schande für deine Art. So oder so wirst Du mich nicht am Leben lassen«, sagt Pucto.
»Zudem Du weißt, dass Du nichts aus mir rausbekommen wirst. Ich habe mein Leben gelebt. Und es war lang. Länger noch als deins.«
Sie lächelt.
»Wir werden sehen Pucto, wir werden sehen. Und fühlen – vor allem Du«.
Pucto geht mit der Kanne zu einem kleinen Holzbrett an der Höhlenwand und entnimmt einer Dose ein paar Kräuter.
»Weißt Du«, sagt er. »Dein Besuch ist keine Überraschung für mich. Ich habe mich schon lange darauf vorbereitet.«
Sie schaut ihn irritiert an. »Wie denn? Kommen jetzt etwa Helfer oder ein paar Deiner alten Freunde?«.
»Nein.« sagt Pucto und sie hört die Entschlossenheit in seiner Stimme. Blitzschnell stopft er sich die Kräuter in den Mund und kippt Wasser hinterher. Ein schnelles Schlucken und die Kräuter sind weg.
»Was…?« Sagt seine Besucherin überrascht. »Was hast Du getan?« Sie springt zu ihm und hebt die Hand in Richtung seines Kopfes, als wolle sie die Kräuter wieder herausziehen.
»Wie immer das was getan werden muss.« Ein Schauer fährt durch Puctos Körper. Eine Sekunde später knickt sein linkes Bein weg und er sackt auf den Boden.
»NEIN!«, brüllt seine Besucherin. »DAS KANNST DU NICHT TUN!«. Doch Pucto hört sie schon nicht mehr. Seine Augen werden glasig, ein kurzes Zucken und dann erschlafft sein Körper.
»VERDAMMT!«. Wut kocht in ihr hoch. Sie holt mit dem Fuß aus und tritt in Puctos leblosen Körper. »Du verdammter Idealist«, zischt sie.
Mit Mühe findet sie nach einigen Minuten einen Punkt, an dem sie ihre Wut unter Kontrolle bringt und wieder vernünftig nachdenken kann. Methodisch durchsucht sie die Höhle mit den wenigen Verstecken. Irgendwo musste dieses verdammte Ei doch sein. Sie war so kurz davor gewesen.
Aber alle Suche half nichts. Das Ei ist nicht da. Sie schaut auf Puctos leblosen Körper und mit einem verächtlichen Ausdruck spuckt sie ihn an.
Drecksack.
Das Ei war nicht in der Höhle. Die Verstecke in der Höhle waren leer und draußen im Wald wäre das Ei zu ungeschützt. Also hat es jemand mitgenommen. Und die letzten beiden Besucher hat sie gesehen. Mit denen würde sie anfangen.
Sie schaut in die Höhle auf Puctos Leiche, dreht sich um, zieht ein silberfarbenes Glockenspiel heraus und hängt an es einen Baum.
Während sie zügig den Pfad entlang geht, hört sie hinter sich das leise Klingen ihrer Markierung.

Schaumann und Söhne

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Veröffentlicht im Geschichtendose-Podcast