Monolog am Spielfeldrand

Komm schon Niklas!

Bewegen Niklas!

Nicht stehen bleiben!

Eckball!

Eckball!

Nicklas Eckball!

Nicklas!

Nicklas!

Nicklas – da ist der Ball!

Niklas geh raus!

Geh raus Niklas!

Andere Richtung Niklas!

Andere!

Niklas!

Niklas!

 

So notiert am Spielfeldrand eines G-Jugend Fußballspiels.

Dschungel

Mit all Deinen Farben
Mit all Deinen Fragen
Auf all Deinen Fahrten
Konntest Du es nicht Fangen

Ganz ähnlich wie Barben
Am Schluss ziemlich eisig
Versalzt Du den Braten
Und musst wieder Bangen

Du siehst dann die Schaben
Umtanzt von den Schraten
Gesichter mit Scharten
Umzingelt von Schlangen

Nur Bienen aus Waben
Gefressen vom Zeisig
Wir alle am Warten
Mit rötlichen Wangen.

Doch dann als die Schlangen
Verbissen in Wangen,
Hörst Du auf zu bangen
Du hast es gefangen

Mit all seinen Farben

Ein wunderlicher Traum von Unordnung

Ich schaue aus dem Fenster und dort unten läuft meine Liebste wieder einen ihrer Dauerläufe. Unseren Hund hat sie dabei.
»Der Hund mag doch mitlaufen, oder?« sagt sie direkt neben mir und ich nicke.
»Gut, dann noch eine Runde«, sagt die Liebste und steigt auf die lange metallene Rutsche direkt vor uns.
»Kommt Töchterchen mit?« fragt sie und Töchterchen ruft freudig ja. Im gleichen Moment auf die Rutsche, mit dem Hund und ab in die Halle.
Die Liebste lächelt mich an.
Ich lächle zurück und dabei kommt das Auto leicht ins Schleudern. Unter unseren Reifen ist eine große Schicht von roten rutschigen Beeren. Ich versuche das Auto zu verlangsamen, doch das Wasser und das Gefälle ziehen uns immer weiter mit.
Unten an der Straße sehe ich mehrere Fahrzeuge gegen die Wassermassen kämpfen.
Die drei Gäste im Font schweigen.
Wir passieren die Verkehrsinsel, an der sich Menschen an den Schildern festhalten, um nicht in die Fluten gezogen zu werden. Das Auto treibt auf dem Wasser.
»Die Armen werden sterben«, sagt die Liebste mit einem Blick zurück zu den Fußgängern.
Ich stimme ihr zu, sage aber nichts.
Die drei Gäste hinten schweigen.
»Wenn das Wasser so hoch ist, dass es ins Auto läuft und wir untergehen, dann muss es schnell gehen«, sage ich. »Dann kurbel ich das Fenster runter und wenn wir raus sind, müsst Ihr die Sitze nach vorne machen und auch raus.
Ohne offene Fenster sterben wir.«
Die Liebste lächelt mich an.
»Das ist doch nur der Schwanz vom Hund, der an den Schrank schlägt«, sagt sie.
Die Kinder schauen mich fragend an.
»Das ganze Zeugs muss da weg. Playmobil, Lego, Barbie-Puppen und auch die Spielzeugautos. Wenn das Wasser reinkommt, muss Platz sein. Und das ist nicht der Hund. So schnell ist der Schwanz nicht.«

***

Das Vibrieren des Handyweckers zwingt mich aus dem Schlaf und immer noch prasselt der Gewitterregen gegen das Schlafzimmerfenster.

Grumpf!

Das Raumschiff, langsam aufgesetzt, ragt mahnend aus dem Boden.
Der Captain schaut ins Niemandsland, sieht fast aus wie in Groden.
Die Leiter wurde ausgefahren, Maschinen viele los geschickt.
Die Mannschaft macht die Grobarbeit, wie immer ist sie missvergnügt.

Ein leichtes Rieseln, kein Geräusch, direkt unter den Streben.
Die Mannschaft aber spürte was, es war jedoch kein Beben.
Ein Loch ging auf, es machte Schwapp, das Raumschiff war verschwunden.
Einfach weg, ganz unbesehen und niemand kann’s bekunden.

Kein Rölpser tönt, kein Schmatzen auch, das Teil ist einfach weg.
Kein Jammern hier und oben drauf auch niemals wieder Speck.
Da hilft kein Flehen, hilft kein Flennen und auch niemals Beten
So fressen sie halt alles weg die (un)perfekten Planeten

Entschlossen

Dunkel deine Pforte,
verborgen dein Geheimnis.
Dein Schlüssel wurd‘ lange gesucht.

Niemand hätt‘ gedacht,
dass du nur so klein bist.
Dein Verschließer wurd‘ vielmals verflucht.

Es ist jetzt so weit, der Schlüssel – gefunden.
Den Stift gedreht und Sekunden voll Hoffen.
Bald sind wir nicht mehr miteinander verbunden.
Tatsächlich, Schloss. Du bist jetzt offen.

Ein Moment des Verharrens
und Du, voller Tücke,
rutschst aus meiner Hand
und fällst von der Brücke.

Im Wasser versunken,
für immer verschwunden,
und trotzdem ist mir jetzt wohl.

Ich bin endlich frei,
bin nicht mehr gebunden.
Du warst halt doch ein Symbol.